Zur Zukunftsfähigkeit des Stahlbaus

Artikel über die Zusammenarbeit zwischen der KALTENBACH.SOLUTIONS und Züblin Stahlbau; erschienen in Heft 1/22 des deutschen Fachmagazins "Stahlbau heute" (Verlagsgruppe Wiederspahn). 

Zunehmende Komplexität, verkürzte Ausführungszeiten und interdisziplinäre Verzahnung sind auch im Stahlbau zentrale Herausforderungen. Die Züblin Stahlbau GmbH setzt daher auf eigene Fertigungsbetriebe, spezialisiertes Know-how der Mitarbeiter sowie auf starke und bewährte Partnerschaften. Mit zwei hochmodernen Stahlbau-Fertigungsstätten, leistungsfähigen technischen Büros sowie erfahrenen Projekt- und Montageteams ist die Züblin Stahlbau GmbH ein kompetenter Spezialist in Sachen Stahlbau für Projekte jeder Größenordnung. Ihre Kernkompetenzen decken beispielsweise mit dem Stahlbrückenbau, dem Industrie- und Anlagenbau, dem Schlüsselfertigbau und der Fassadentechnik ein breites Produkt- und Leistungsspektrum ab.

Der Stahlbau gilt hinsichtlich Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und auch mit Blick auf das breite Einsatzspektrum als eine der modernsten Bauweisen. Allerdings haftet dem Stahl bisher noch das negative Image eines weitgehend klimaschädlich hergestellten Materials an. Das hat auch mit dem Preisdruck in der jüngeren Vergangenheit zu tun, der dazu führte, dass eine saubere, umweltfreundliche Produktion nicht im Fokus der Kunden stand. Es ist also entscheidend, neue Impulse zu setzen, um endlich vom Bild des schmutzigen Stahls wegzukommen. "Gemeinsame Aufgabe beispielsweise von Architekten, Ingenieuren und Bauherren sollte es werden, sich dafür einzusetzen, Stahl von der Planung bis zur Realisierung verstärkt in ihren Bauprojekten zu berücksichtigen", sagt Marco Eckert, Geschäftsführer der Züblin Stahlbau GmbH und ergänzt: "Im Vergleich zur Lobbyarbeit des Stahl-Betonbaues hat die Stahlbau-Branche in Deutschland hier Nachholbedarf. Ein starkes Bündnis für denStahlbau würde ich sehr begrüßen."

Nachhaltigkeit, CO2-Neutralität, Energieeffizienz, Individualisierung und Digitalisierung zählen zu den Megatrends der Gegenwart. Anders als beispielsweise das anerkannt umweltfreundliche Baumaterial Holz lässt sich der Stahl immer wieder einschmelzen und ohne Qualitätsverlust weiterverwenden. Während Nutzwälder über Jahrzehnte aufgeforstet werden müssen, ist Stahl schnell und in großen Mengen lieferbar. Laut Eckert werde für eine konsequent CO2-neutrale Stahlherstellung jedoch noch viel mehr grüne Energie benötigt: "Die Verfügbarkeit von grünem Strom ist in Deutschland nicht ausreichend gewährleistet. Darum sollte sich die Branche aus meiner Sicht aktiv kümmern, sie kann sich hier nicht allein auf die Energielieferanten verlassen."

Die Menge von grüner Energie müsse enorm gesteigert werden, wenn Kohle und Kernkraft nicht mehr zur Verfügung stehen. Obwohl es vonseiten der Kunden der Züblin Stahlbau GmbH bisher eine geringe Nachfrage nach CO2-neutralem Stahl im Einkauf gebe, wolle das Unternehmen die Weichen für die Zukunft jetzt stellen und die Rahmenbedingungen mit verändern. Für die zwei Standorte seien erste Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben. Langfristiges Ziel sei, durch z.B. wasserstoffbetriebene Blockheizkraftwerke und Wind- bzw. Solarenergieanlagen den benötigten Eigenenergiebedarf selbst zu decken. Damit sollen die Fertigungsstätten klimaneutral betrieben werden, um in Zukunft wirtschaftlich und unabhängig von großen Stromkonzernen agieren zu können.

Weiterhin wichtig ist das Thema Transport –Transporte werden immer notwendig bleiben, sind deshalb als wesentlicher Bestandteil der Gesamt-CO2-Bilanz des Baustoffes Stahl zu berücksichtigen und benötigen ebenso innovative Lösungen. Bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie, erlebt der Stahlmarkt seit knapp zwei Jahren eine außergewöhnliche Dynamik. Nach Ansicht von Eckert hängt die derzeitige Rohstoffknappheit aber nur bedingt mit Corona zusammen. Die Preissituation auf dem Beschaffungsmarktist schon länger kritisch – das Tiefpreisniveau der Vergangenheit sei nur selten kostendeckend für die Hersteller gewesen. Die jetzige Hochpreisphase bringt deutliche Risiken mit sich. Wird der Baustoff Stahl unwirtschaftlich, gefährdet das die Bauweise, denn die Wirtschaftlichkeit steht für die Kunden immer noch an erster Stelle, so Marco Eckert. Hier konkurriere der Stahlbau nach wie vor hauptsächlich mit dem Stahl-Betonbau.

Wenngleich das Preisniveau in beiden Bereichen gleichmäßig gestiegen ist, braucht der Betonbau weniger Stahl und hat daher nicht so stark unter den Preissteigerungen gelitten. Eckert dazu: "Glücklicherweise hat das aktuelle Preisniveau noch genügend Spielraum, um die Mehraufwendungen durch CO2-Neutraliät abzufedern. Ein Wandel ist also auch in wirtschaftlicher Hinsicht machbar und Stahl muss nicht zwangsläufig noch teurer werden." Die Preise für Holz seien ebenfalls gestiegen, ohne dass es zu einem Einbruch im Holzbau gekommen sei, wie der Geschäftsführer betont. Der Einfluss, den ein positives Image auch auf wirtschaftliche Entscheidungen hat, dürfe nicht unterschätzt werden.

Die Digitalisierung wird nicht zuletzt durch Corona weiter beschleunigt. Gemeinsam mit KALTENBACH.SOLUTIONS hat Züblin Stahlbau in ihrer Fertigung bereits ein digital unterstütztes Performance-Projekt zur Effizienzsteigerung umgesetzt. "Wir haben sehr schnell festgestellt, dasswir die gleiche Sprache sprechen, und waren uns ebenso schnell einig über die Herangehensweise. Eine gute gemeinsame Basis ist ganz entscheidend für den Erfolg solcher Projekte", formuliert es Eckert. Die BoosterBOXen von KALTENBACH.SOLUTIONS sollten Aufschluss über die tatsächliche Verfügbarkeit und Auslastung an ausgewählten Maschinen geben, um daraufhin eine optimale Schicht- und Anlagenbelegung zu planen und umzusetzen und auf diese Weise Kosten zu sparen sowie die Wirtschaftlichkeit zu sichern.

Der Auslastungsgrad der Maschinen konnte deutlich angehoben werden und das Ziel einer Performance-Steigerung von 30 % wurde erreicht. Angestrebt wird eine weitere Steigerung auf bis zu 65 % der Maschinenauslastung. "Für den Erfolg sind letztendlich viele Faktoren wichtig, deren Auswirkungen wir durch die gewonnenen Erfahrungen immer besser einschätzen und steuern können", fügt der Geschäftsführer hinzu. Parallel soll das Messen auch auf weitere Maschinen und Anlagen ausgedehnt werden. In Zukunft werden die Themen Manufacturing Execution Systems (MES), exakte Maschinendaten und differenzierte Auswertungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen.

Dazu befragt, wo der Stahlbau in fünf Jahren steht, antwortet Eckert: "Es wäre schön, wenn man diese Frage sicher beantworten könnte. Eigentlich müsste die Umsetzung der in Paris 2015 beschlossenen Klimaziele dazu führen, dass grüner Stahl der Baustoff Nummer 1 in Deutschland wird. Davon wollen wir auch die Hersteller überzeugen." Recht schnell umstellenlassen sich aus seiner Sicht die Elektroöfen. Alles, was damit produziert wird, könne eher unproblematisch auf grüne Energie umgestellt werden. Bei Blech und anderen Stahlprodukten werde der Wechsel auf eine nachhaltige Herstellung noch etwas länger dauern.

Zu klären sei auch, wie die Menge an benötigtem grünem Strom für die Stahlproduktion zur Verfügung gestellt werden kann. In fünf Jahren wäre viel erreicht, wenn es mit gezielter Unterstützung der branchenzugehörigen Wirtschaft und intensivierter Verbandsarbeit gelänge, den Stahlskelettbau in den Köpfen der Ingenieure und Architekten fest zu etablieren. Damit ließe sich viel schneller als mit Beton bezahlbarer, nachhaltiger Wohnraum schaffen. Denn Stahlskelette können unkompliziert mit anderen umweltfreundlichen Bau- und Dämmstoffen kombiniert werden. Durch bereits verfügbare feuerfeste Beschichtungen lässt sich zudem eine Brandgefahr ausschließen. Andere Länder wie Großbritannien seien in diesem Bereich schon sehr viel weiter, und Eckert ergänzt: "Stahl muss in Deutschland salonfähig werden – gerade der soziale Wohnungsbau bietet dafür eine tolle Perspektive!"