Auf Basis echter Daten: Anlagen effizienter steuern

Blackbox Maschine – vielfach sind die Maschinen und Anlagen im Stahlhandel nicht optimal ausgelastet und laufen unterhalb des Optimums. Für eine wirklich effiziente Steuerung fehlte bislang die Datenbasis. Mit dem Know-how der KALTENBACH.SOLUTIONS GmbH ist nun der Zugriff auf die Maschinendaten möglich, herstellerunabhängig und in Echtzeit. Im Projekt DASHBOARD geht die Salzgitter Mannesmann Stahlhandel mit Kaltenbach.Solutions einen Schritt in die Zukunft und vernetzt eine Reihe von Engpassmaschinen. Was sich das Unternehmen davon verspricht und wie das Projekt läuft, schildern Martin Walde, Geschäftsführer Lager/Logistik/Operations von Salzgitter Mannesmann Stahlhandel, und Valentin Kaltenbach, CEO von KALTENBACH.SOLUTIONS, im Gespräch mit dem Stahlreport.

Stahlreport: Würden Sie uns die Ausgangslage und die Herausforderungen bei der Digitalisierung im Stahlhandel und an Ihren Standorten beschreiben?

Martin Walde: Mit der e-world ist der Salzgitter Mannesmann Stahlhandel bereits erfolgreich in der Digitalisierung unterwegs. Hierbei wollen wir nicht sprunghaft, sondern schrittweise nachhaltig wachsen. Stahlhandel ist immer noch peoples business. Gleiches gilt auch für die Digitalisierung im Innenverhältnis.

Mit den Dashboards zur Anbindung unserer Anarbeitungsmaschinen machen wir einen sinnvollen Entwicklungsschritt im Bereich Lager/Logistik/Operations. Ziel ist, bei unserer komplexen, dezentralen Struktur Transparenz bei den Leistungsdaten unserer Anlagen zu bekommen. Eine nicht optimierte Nutzung führt ggf. zum Ausweichen auf andere Standorte, somit zu höheren Frachtkosten, oder schlimmstenfalls zum Verlust des Auftrages durch zu lange Lieferzeiten. Mit den gewonnenen Erkenntnissen haben wir eine solide Datenbasis, um auf diesem Feld agieren zu können.

Welchen Umfang hat das Projekt DASHBOARD bei Salzgitter Mannesmann Stahlhandel?

Martin Walde: An zwei Dritteln unserer Standorte haben wir Engpassmaschinen angeschlossen. Das ist bereits ein großer Schritt. Auch ein komplettes Ausrollen ist denkbar. Aber wie eben gesagt, machen wir vernünftige Schritte und bewerten die Effekte.

Was waren für Sie die entscheidenden Gründe für den Einsatz der STEEL-SUITE-Lösung von KALTENBACH.SOLUTIONS?

Martin Walde: Mit Herrn Kaltenbach haben wir jemanden gefunden, der Stahlhandel und Anlagen sehr gut kennt und sofort Spaß daran hatte, die Ideen gemeinsam zu entwickeln und auf uns zuzuschneiden.

Wie lief das Projekt ab vom Erstgespräch bis zur Umsetzung? Welche Herausforderungen mussten gemeistert werden?

Martin Walde: IT-Projekte haben oft das Image der schwergängigen Umsetzung von der Idee bis zum GoLive. Tatsächlich ist dieses Projekt innerhalb zwei Monaten umgesetzt und in Betrieb genommen worden, was ich außergewöhnlich finde!
Valentin Kaltenbach: Die Zusammenarbeit mit den Standorten verlief hervorragend. Aufgrund der hohen Fachkompetenz im Bereich Instandhaltung wurde der überwiegende Teil der iIoT-Komponenten (iIoT = industrial Internet of Things, Anm. d. Red.) eigenständig montiert und in Betrieb gesetzt.

Welche Maschinen wurden beim Roll-Out vernetzt? Wie wird die Niederlassungsstruktur abgebildet? Welche Maschinen können grundsätzlich angebunden werden?

Martin Walde: Wir haben uns bei den Engpassmaschinen auf Strahlanlagen sowie Sägen konzentriert. Versuchsweise haben wir auch an einem Standort Krananlagen eingebunden, um Bewegungen ganzheitlich betrachten zu können. Wo entstehen zum Beispiel Stillstände durch Be- und Entladetätigkeiten? Das Dashboard bietet die Auswahl einzelner Standorte, aber auch übergeordnete, aggregierte Auswertungen in auswählbaren Zeiträumen.
Valentin Kaltenbach: Mit unserer über 100-jährigen Expertise im Maschinenbau schließen wir alle Maschinen und Krananlagen, die es im Stahlhandel gibt, an – unabhängig von Hersteller, Alter und Steuerungskonfiguration der Maschine.

Welche Daten werden erfasst, was kann daraus abgelesen und generiert werden? Welche Erkenntnisse ziehen Sie daraus?

Martin Walde: Wir haben zunächst eine Momentaufnahme gewonnen, die wir vorher so nicht hatten. Für einen Mittelständler, mit einem Büro neben der Halle ist die Notwendig- keit ggf. schwer nachvollziehbar, aber durch Dezentralität und dem in der Regel vorhandenen Drei- schichtbetrieb möchten wir nicht nur zentral wissen, was wann los ist. Viel mehr möchten wir den Standortverantwortlichen die Möglichkeit geben, mit ihren Mitarbeiter/-innen auf Basis von realen Daten Hebel für Verbesserungen zu diskutieren. 

Welchen Nutzen konnten Sie bereits aus den gewonnenen Daten ziehen? Welche nächsten Schritte planen Sie, wie sollen die gewonnenen Daten wirtschaftlich genutzt werden?

Martin Walde: Wir haben durch die Messungen bereits Verbesserungen der Maschinenlaufzeiten nachweisen können. Hier ist es aber äußerst wichtig, ein ganzheitliches Performancemanagement ins Auge zu fassen. Die Dashboards bilden einen Baustein ab, die Ergänzung erfolgt unter anderem durch stetes Messen der Ladezeiten. Das Betonen einzelner Effekte stellen wir gegenüber einer ganzheitlichen Betrachtung, auch einschließlich des Arbeitsschutzes, zurück. Die Vision ist ganz klar, die Performance unserer Standorte voranzubringen und dabei Ideen und Belange unserer Leute zu berücksichtigen.

Liefert Kaltenbach.Solutions rein die Ergebnisse der ausgelesenen Daten oder zugleich auch Handlungsempfehlungen?

Valentin Kaltenbach: Die STEEL-SUITE von KALTENBACH.SOLUTIONS umfasst vier Bausteine:

  • IoT-Lösungen zum Messen, Analysieren und Visualisieren von Prozessen inklusive BigData-Analytics

  • virtualisierte, browserbasierte Prozesslösungen

  • Entwicklung von Konzeptstrategien zur Virtualisierung

  • Umsetzungsstrategien inklusive der aktiven Unterstützung bei deren Umsetzung

Um die bestmögliche Passung auf die speziellen Kundenbedürfnisse zu erzielen, sind unsere Lösungen stets customized und individualisiert.

Welche Möglichkeiten bieten die digitalen Lösungen der STEEL-SUITE darüber hinaus? Wo liegt der Schwerpunkt?

Valentin Kaltenbach: Unser Fokus liegt auf der nachhaltigen Steigerung der Performance im Bereich Operations und deren Schnittstellen zu angrenzenden Fachbereichen. In diesem Bereich haben wir Lösungen für die ganz großen Herausforderungen und erzielen damit messbare Performancesteigerungen von 30 % und mehr. Der Fokus liegt dabei immer auf einem messbaren betriebswirtschaftlichen Erfolg und nicht auf dem technisch Machbaren. Das macht unser Angebot einzigartig in der Branche.

Wie bewerten Maschinenhersteller den Einsatz von IoT-Lösungen wie zum Beispiel Tracking-Tools?

Valentin Kaltenbach: Die Lösungen der STEEL-SUITE sind übergreifend, das heißt sie bauen auf der gegebenen kundenspezifischen Produktions- und IT-Landschaft auf. Die damit verbundene geistige Freiheit und materielle Unabhängigkeit ist eine notwendige Voraussetzung, um die besten Ergebnisse für den Stahlhandel zu erzielen. Als Maschinenhersteller liegt das primäre Interesse auf den eigenen Maschinen und nicht auf denen der Mitanbieter. Der Maschinenbau stößt dadurch bei der Umsetzung von Industrie 4.0 an eigens gesetzte, tradierte Grenzen, die Einfluss auf das Ergebnis und die Umsetzungsgeschwindigkeit haben.