Effizienter schweißen und schneiden

In Heft 8/23 des Fachmagazins SCHWEISSEN UND SCHNEIDEN ist soeben ein Interview mit Jörn Landsrath, dem Geschäftsführer der Produktion bei Kaltenbach Maschinenbau in Neuenburg am Rhein, erschienen. Im diesem Beitrag geht es unter anderem um die strategische Partnerschaft mit KALTENBACH.SOLUTIONS im Bereich IoT/Smart Factory. Die Maschinenbau Kaltenbach GmbH fertigt eine große Vielfalt an Produkten und Sonderteilen. Zu ihren Kernkompetenzen gehört das manuelle und das robotergestützte Schweißen. Unsere IoT-Lösung wird in der Zerspanung eingesetzt. 

 

Effizienter schweißen und schneiden – digitale Unterstützung für die Produktion

Seit 1958 stellt die Maschinenbau Kaltenbach GmbH in Neuenburg am Rhein komplexe Maschinen, Anlagen und Linien für Geschäftspartner und Kunden her. Vor allem Exklusivpartnerschaften, die teilweise bereits seit Jahrzehnten bestehen, bilden das Fundament, auf dem das Unternehmen steht. Um dem wachsenden Bedarf an vielfältigen Konstruktionen und Bauteilen auch in Zukunft gerecht zu werden, investiert das Unternehmen in neue Fertigungshallen. Neben der Montage und der Zerspanung gehört das manuelle sowie das robotergestütze Schweißen von komplexen und sicherheitsrelevanten Bauteilen gemäß DIN EN 1090 EXC 3 zu den Kernkompetenzen. Jörn Landsrath, verantwortlicher Geschäftsführer für die Produktion, hat vor rund zwei Jahren eine strategische Partnerschaft im Bereich IoT (Internet of Things)/Smart Factory mit der Kaltenbach.Solutions GmbH geschlossen. Deren branchenspezifische IoT-Lösung wird in der Zerspanung bei Maschinenbau Kaltenbach eingesetzt. Hier messen sogenannte Booster-Boxen die Leistung direkt an den Werkzeugmaschinen und visualisieren die festgehaltenen Daten übersichtlich. Ziel ist es, mehr Transparenz in der Produktion und eine kontinuierliche Steigerung der Effizienz zu erreichen. Herr Landsrath gab uns im Interview einen Einblick in seinen Betrieb.

Die Themen digitale Transformation und Industrie 4.0 sind der Branche gerade sehr präsent. Was hat Sie dazu bewogen, nach einer innovativen digital unterstützten IoT-Lösung zu suchen?
Während der Krisen der letzten Jahre – ausgelöst durch Corona, unterbrochene Lieferketten und gestiegene Materialkosten – hatten wir uns gleich mehrere Ziele gesetzt: Die Stückkosten sollten reduziert, einige Abläufe verschlankt, die Produktivität erhöht und die eigene Lieferfähigkeit von Marktschwankungen am Beschaffungsmarkt entkoppelt werden. Zusätzlich hatten wir Interesse daran, die in den vergangenen Jahren gesammelten Erfahrungswerte zu dokumentieren und mit harten Fakten zu untermauern. Das im Laufe der Zeit gewachsene Wissen unserer Mitarbeiter ist sehr wertvoll für unser Unternehmen. Bei einigen Themen hilft es uns zusätzlich, wenn alle Beteiligten auf präzise Daten zurückgreifen könnnen. Mehr Transparenz in Bezug auf die Arbeitsprozesse soll langfristig auch dazu führen, dass wir unsere Mitarbeiter in Zukunft aktiver als bisher in geplante Veränderungsprozesse einbinden können.

Wie kam es zu dem gemeinsamen Projekt?
Schon als Herr Kaltenbach noch Geschäftsführer der Kaltenbach GmbH in Lörrach war, hatten wir öfter geschäftlich miteinander zu tun und trafen uns hin und wieder auch persönlich, beispielsweise auf der jährlichen Hausmesse in Lörrach oder beim Kauf von Sägen aus seiner Produktion. Nachdem Valentin Kaltenbach dann ein neues Unternehmen mit digitalen Lösungen für die Stahl- und Maschinbau-Branche gründet hatte, die Kaltenbach.Solutions GmbH, kam er auf mich zu. Uns verbindet auf jeden Fall der Wunsch, positive Visionen zu entwickeln und wirksame Veränderungen anzustoßen.

 

Wie sind Sie bei der Einführung der digitalen Lösung in Ihrem Unternehmen vorgegangen? Was war die größte Herausforderung bei der Inbetriebnahme?
Zuerst wurde definiert, in welchem Bereich der Fertigung die Digitalisierung sinnvoll beginnen sollte. Wir haben uns  auf die Zerspanung festgelegt und die dort zuständige Teamleiter-Ebene mit ins Boot geholt. Zunächst war etwas Überzeugungsarbeit notwendig, um den Mitarbeitern die Angst vor mehr Kontrolle zu nehmen. In Gesprächen konnten wir ihnen vermitteln, dass es nicht darum geht, zu sehen, wer Fehler macht. Wir wollten unsere Prozesse und Abläufe zur Unterstützung der Mitarbeiter verbessern und das ist schließlich auch so verstanden worden.

Gab es Widerstände von Mitarbeitern gegen die Einführung eines digital unterstützten Messgeräts, das verschiedene Arbeitsprozesse für das ganze Team transparent macht?
Echte Widerstände gab es nicht, aber vielleicht eine Portion Skepsis bei einigen im Team. Man muss dazu sagen, dass wir bereits im Jahr 2014 eine lückenlose Betriebsdatenerfassung eingeführt haben und dadurch schon erste Schritte hin zu mehr Transparenz gegangen sind.

Sie nutzen die IoT-Lösungen der Kaltenbach.Solutions seit etwa zwei Jahren in der Fertigung. An welchen Maschinen werden die Booster-Boxen in Ihrem Betrieb eingesetzt und welche konkreten Produktivitätssteigerungen haben Sie bisher erzielt?
Das Messgerät Booster-Box wird bei uns ausschließlich in der Zerspanung eingesetzt. Durch die Auswertung der Daten und die Umstellung auf ein neues CAD/CAM-Programm erreichen wir hier eine messbare Optimierung um 15 bis 25%. Je nach Belegung der Maschinen, nach Kunde, Produkt, Werkstoff und Stückzahl kommt es zu Schwankungen, die immer wieder neu bewertet und analysiert werden müssen. Ohne eine präzise Analyse besteht die Gefahr, falsche Schlüsse zu ziehen und dadurch das Vertrauen der Mitarbeiter zu verlieren.

Warum fiel Ihre Wahl gerade auf diese digitale Lösung von Kaltenbach.Solutions?
Für uns kam die Kaltenbach.Solutions als Digitalisierungspartner in Frage, weil wir bereits Vertrauen in die dort verantwortlichen Personen gefasst hatten und zuversichtlich waren, dass wir gemeinsam eine genau passende Lösung schaffen können. Als Unternehmer setzen wir gerne auf eine langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit strategischen Partnern. Durch die offene Kommunikation entsteht ein reger Austausch, der beiden Seiten dabei hilft, die eigene Arbeit zu reflektieren und sich kontinuierlich zu verbessern.

Welche Ziele wollen Sie in Zukunft mit dem Einsatz der Lösung in Ihrem Unternehmen verfolgen?
Aktuell steht als nächster Schritt das Implementieren einer neuen ERP-Software an. Diese wollen wir anschließend mit den Lösungen der Kaltenbach.Solutions verknüpfen. Eine Steigerung der Performance um weitere 10 bis 15% ist dann unser Mindestziel – und ich glaube, dass hier sogar noch mehr möglich ist.

Inwiefern ist der Einsatz digitaler Lösungen an Maschinen und Anlagen für Sie auch ein Instrument zur Stärkung der eigenen Marktposition?
Es geht uns darum, die Kunden und Partner, die ihre Produkte bei uns fertigen lassen, gezielt zu unterstützen. Sie sollen zu guten Preisen bei uns einkaufen, um selbst marktgerechte Preise für ihre Produkte anbieten zu können. Wir wollen gemeinsam mit unseren Kunden weiter wachsen.

Welchen Mehrwert sehen Sie für den Einsatz digitaler IoT-Lösungen an Handarbeitsplätzen, wenn es beispielsweise um das Heften, Schweißen, Verputzen oder Lackieren geht?
Ich sehe durchaus Chancen für das Erreichen von mehr Transparenz an Handarbeitsplätzen und auch für eine Optimierung der Eiffizienz mit Hilfe digitaler Lösungen. Bei uns liegt die Herausforderung darin, dass die Mitarbeiter tägliche neue Produkte und viele Sonderteile fertigen. Wir produzieren für ganz verschiedene Branchen. Es gibt also immer wieder starke Schwankungen und daraus resultierende Kapazitätsverschiebungen. Noch mehr Effizienz lässt sich in der Produktion aus meiner Sicht bei wiederkehrenden Teilen leichter und besser erreichen. Aber auch an diesem Thema bleiben wir dran, um uns weiter zu verbessern.

Vielen Dank für das Gespräch.